Zirfeld

Lesen!

Posted in Alles drin by zirfeld on August 28, 2009

Gerade mal fünf Tage auf einem Campingplatz an der Ostsee gewesen, schon quillt mir der Feed-Reader über, wie der gute alte Briefkasten in den Zeiten, als meine Gläubiger noch meine richtige Adresse hatten.

Ich hatte ja zuerst noch darüber nachgedacht, das Notebook mitzunehmen. Beim Anblick der vielen Urlauber allerdings, die selbst noch auf der kleinsten Erhebung standen, sich drehten und den Arm in die Höhe reckten, um mit ihren Ei-Fons per Internet den Wetterbericht für den nächsten Tag abzurufen, war mir klar, dass auf’m Dahrs der UMTS-Empfang recht bescheiden sein musste.

Was den Wetterbericht anging: Ich hab den nächsten Tag abgewartet und in den Himmel geschaut.

Du bist #marke# – bin ich nicht!

Posted in Alles drin by zirfeld on August 11, 2009

Ich arbeite als Sklave im Niedriglohnbereich. Auf eine kostenfreien Hotline helfe ich Kunden eines Komminikationskonzerns sich in die faszinierende Welt des Online-Seins einzuwählen, seine Netzwerkeinstellungen zu korrigieren oder freundlich/bestimmt zu versichern, dass es nicht genügt einen Wlan-Router zu besitzen, wenn der sieben Jahre alte Computer nicht für die drahtlose Kommunikation ausgerüstet ist. (Und „Nein, dass konnte der Verkäufer vorher nicht ahnen als Sie den Vertrag abgeschlossen haben“, „einen kostenfreien Techniker kann ich ihnen leider nicht schicken“ und „leider kein Kündigungsgrund, steht so auch nicht in den AGB“.) Allerdings bin ich nicht Arbeitnehmer der Nummer 2 in Deutschland für Festnetz- und Mobiltelefonie, sondern Knecht eines Dienstleisters Imauftragvon.

Doch heute früh blieb die Hotline kalt, wir wurden alle mit Bussen zur einer tollen „Location“ gekarrt. Von professionellen Massenbespassern wurde uns dort vermittelt, wie absolut klasse der neue Markenauftritt ist, wie sensationell die Kunden diese Firma finden und wie auch alles noch besser werden soll. Nachdem einer der Wortführer mich und meine Kollegen mehrfach als Nerds und Freaks („im technischen Sinne, haha“) beschimpft hatte, wollte er uns weißmachen, wie wären die Generation Upload, die sein Arbeitgeber als Zielgruppe für noch kommende Umsätze entdeckt hat. Obwohl manche tatsächlich hinundwieder beitragen, wollen wir uns aber nicht als Teil einer Gemeinschaft definieren lassen. Er gab dann auch wirklich erst Ruhe, als wir lautstark darauf bestanden zur Generation Download zu gehören – bevorzugt kostenlos, illegal und von Quellen zweifelhafter ausländischer Herkunft.

Das wichtigste jedoch: Weder bin ich eine Marke, noch identfiziere ich mich mit einer Marke. „Brands“ waren mir schon immer völlig egal. Vielleicht wollte ich als Kind unbedingt Lego haben, anstatt mit alternativen Stecksystemen zu arbeiten. Mag sein. Aber schon seit vielen Jahren beschäftigen mich beim Einkauf: Funktion, Geschmack, Preis, Herkunft oder ökologisch vertretbare Herstellung. Es ist mir sehr wichtig, dass klargestellt zu wissen.

Kommentar eines Kollegen: Und was ist mit dem SC Freiburg? Dies, liebe Leser, dies ist keine Marke, sondern eine Herzenssache. Sollte sich dies jemals ändern, bitte ich freundlichst, mich zu erschiessen.

Die Trauer von Celine Dion

Posted in Alles drin by zirfeld on Juni 27, 2009

Der Online-Ableger des  seriöse Nachrichtenamgazins „Der Spiegel“ widmet dem Tod des Michael J. verständlicherweise etwas mehr Raum, als der Unterhöhlung grundlegender demokratischer Prinzipien durch die Legislative.

Jahrhundertquitsche Celine Dion sagt, sie hätte sich gefühlt wie beim Tod von JFK. Ein schneller Blick bei Wikipedia teilt mir mit, dass Frl. Dion knappe 5 Jahre nach dem Attentat von Dallas auf die Welt kam.

Jetzt frage ich mich natürlich: Reist La Dion durch die Zeiten oder wurde sie beim Film von Oliver Stone von ihren Gefühlen übermannt?

Sich einmal umdrehen

Posted in Alles drin by zirfeld on Mai 6, 2009

Vielen Dank an Stefan Niggemeier, der auf den Artikel von Susanne Gaschke aufmerksam gemacht hat, aber viel wichtiger noch auf die Replik von Tapio Liller.

Ich bin allerdings zuversichtlich, dass ‚wir‘ (Netzidioten) aus dieser Diskussion als Sieger hervorgehen werden. Aus der Geschichte lernen: Industrialisierung, Mobilisierung, Funk und Fernsehen. Wir Menschen passen uns an, ob wir wollen oder nicht, und werden die neuen Möglichkeiten zu kommunizieren adaptieren.

Frau Gaschke ist natürlich davon überzeugt, dass der Widerstand lohnt (ich gehe mal nicht davon aus, dass sie die Meinung nur vertritt, um abgedruckt zu werden). Aber ich habe eine Gegenfrage:

Was ist eigentlich mit den ganzen Mönchen passiert, die mit tintengeschwärzten Fingern im Scriptorium saßen, als Herr Gensfleisch seine tolle Idee vorstellte? Hat sich da jemand den Griffel geschnappt und ein Pamphlet gegen diesen Schwachsinn verfasst, sich beschwert, dass nun jeder seine Ideen einfach so verbreiten könne, ob von der Obrigkeit gewollt oder nicht? Falls ja hat es die Zeiten nicht überlebt.

Frau Gaschke: Wer eh schon rückwärts blickt, sollte sich dabei auch wirklich mal umdrehen.

Erst die Schnauze aufreißen –

Posted in Alles drin by zirfeld on April 30, 2009

– und dann nix liefern.

Bedauerlicherweise hat mir das Leben in den letzten Monaten einige Überraschungen im Plot geliefert. Meine elektronischen Datenverarbeitungsmaschinen haben zwar zuverlässig funktioniert, aber sowohl Fleisch als auch Geist waren nicht willig.

Das Führen eines Blogs (Ersatzbegriff wird immer noch gesucht) erfordert von mir eine gewisse Konzentration, die ich eine ganze Zeit lang einfach nicht aufbringen konnte. Werde mir jetzt aber wieder Mühe geben, verprochen.

Liest ja aber sowieso keiner.

Daten speichern

Posted in Alles drin, Demokratie by zirfeld on Oktober 14, 2008

Ich habe bei Spreeblick einen Kommentar geschrieben zum Thema Vorratsdatenspeicherung. Anschließend habe ich mich darüber so aufgeregt, dass ich mich dazu entschlossen habe, den Kommentar hier noch einmal zu veröffentlichen.

Ich werde dies auch zum Anlass nehmen in der nächsten Zeiz eine kleine Serie darüber zu bringen, an was ich eigentlich glaube, von was ich überzeugt bin.

Liest ja eh wieder keiner.

>> Ich glaube, mit eurem themenaffinen Verständnis für die Vorratsdatenspeicherung und den damit verbunden Folgen vergesst ihr Eines: Den meisten Menschen ist das scheißegal.

Und es wird immer scheißegaler: Es wird nun eine Generation erzogen, der das Bedrohungsszenario als Hintergrund für mehr und mehr Einflußnahme des Staates in das Privatleben zur Normalität wird. Möglicherweise wird meine jetzt 5jährige Tochter irgendwann der Meinung sein, dass das aus Gründen der Sicherheit schon in Ordnung geht (woraufhin ich sie natürlich enterben würde, wenn es was zu erben gäbe).

Das ist ein schleichender Prozeß und auch nicht das erste mal, dass wir uns am Ende einfach damit abfinden. Vor 20 Jahren waren wir noch dagegen, dass der Staat weiß, wie wir alle wohnen. Nun werden mit diesesn sta(a)tistischen Daten Geschäfte gemacht, Agendas (2010) entworfen oder Vorstädte geplant.

Die Einstellung der Meisten ist auch bigott: Ich will keine Anrufe haben von Leuten, die mir etwas verkaufen wollen, nehme aber gerne an jedem Gewinnspiel teil, indem ich Postkärtchen in auf Bahnhöfen geparkte BMWs werfe. Ich will, dass mein Online-Banking sicher ist, kaufe aber bei Amazon mit Visa ein und surfe über WLAN.

Diese Beispiele haben nichts mit dem Recht des Staates zur Speicherung von Daten zu tun, zeigent aber, wie tief das Empören darüber wirklich sitzt.

Was die Leute wirklich wollen: Keine Anrufe mehr bekommen von Losverkäufern und Marktforschern. Wenn das aufhören würde, wären die meisten schon zufrieden.

Ich bin gegen die Vorratsdatenspeicherung, ich betrachte es als Angriff auf meine ureigensten Grundrechte und der moderne demokratische Staat ist dazu da, die Rechte zu schützen, nicht zu verletzen. Ich betrachte es als große Kerbe in das demokratische System. Und ich werde nichts dagegen tun können. <<

Dazu demnächst hier: „Demokratische Grundwerte I: An was ich glaube“

[…]

Die Entdeckung der Langsamkeit

Posted in Alles drin by zirfeld on Oktober 9, 2008

Nicht erst gerade wieder gelesen, sondern im Selbstversuch erfahren seit ich jetzt hier am Schreiben bin.

Guten Ideen jeden Tag wären schon vorhanden, allerdings nicht der Antrieb, diese auch (und vor allem orthographisch korrekt) zu Bildschirm zu bringen. Ein Glück habe ich keine Stammleser, die sich täglich über Neuigkeiten auf „Zirfeld“ informieren möchten.

Ich kann schon auch mal schnell sein, beim Radfahren oder Pizzaaufessen. Ich lasse mir aber sehr gerne Zeit, um meine Gedanken zu sortieren.  Deshalb kann ich so gut Warten.

Schliesst sich die Frage an: Ist Webzweinull ein Verpflichtung zu Schnelligkeit? Muss ich micht eventuell wieder downgraden lassen?

[…]

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Selbstfindung

Posted in Alles drin by zirfeld on Oktober 6, 2008

Wenn ich mich selbst finden will, dann drück ich F3.

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Warum Zirfeld?

Posted in Alles drin by zirfeld on September 28, 2008

Als die Welt im Spiegel – WimS – in den 1960ern aus der Masse der gewöhnlichen journalistischen Erzeugnisse heraus zu stechen begann, beschloss man, die Macher des Blattes vorzustellen und in einer eigenen Rubrik über Interna aus dem Redaktionsalltag zu berichten. Chefredakteur Zirfeld wurde damit ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt und sollte fortan allen Redakteuren im Land als abschreckendes Beispiel dienen.

Man weiß von ihm, dass er das Kalauern während der Arbeitszeit verbot, Jungredakteure mit Aschenbechern bewarf und immer darauf bedacht war, die Halseisen seiner Mitarbeiter passend zur Ausgehuniform auszuwählen. Oft beendete er Diskussionen mit einem entschlossenen „Schnüß“. Auf die Forderung des Redaktionsboten Dr. Golz nach Gedankenfreiheit entgegnete er: „So, so, Gedankenfreiheit will er, der Hundsfott?“.

Er konnte aber auch ein fürsorglicher Chef sein. Als einmal das Betriebsfest ausfallen mußte, spendierte er allen einen Groschen, damit dieser in Lakritz angelegt werde könne. Einmal gab er dem bekümmerten Leihbischof Klamm einen Drops ab.

Sein journalistisches Handwerk beherrschte er aus dem Effeff, er benutzte die WimS um Mißstände anzuprangern. Als der Leihbischof einmal wegen einer Ordnungswidrigkeit im Straßenverkehr es mit der Polizei zu tun bekam reagierte er sofort: „Das sollten wir geißeln! Aber wie? Schmähgedicht? Polemik? Enzyklika?.“ Skandale werden ohne Zögern aufgedeckt. „Wer schreibt etwas darüber?“ war die gefürchtet Frage an die Redakteure bei der 11-Uhr-Konferenz im grünen Chefzimmer.

Die Welt im Spiegel erschien zwischen 1964 und 1976 als Beilage des Satiremagazins ‚Pardon‘. Von F. K. Wächter, F. W. Bernstein und Robert Gernhardt gegründet, entwickelte sich die WimS unter dem Motto „pro bono – contra malum“ zum Leitmedium des Nonsens. Texte, Zeichungen, Lyrik widmeten sich den Themen, zu denen keine andere Zeitung Stellung nehmen wollte. Die „ Rede zur Klage der Bastion“ war dort abgedruckt (Liebe Landsläuse!) und manche Witze, die schon seit Generationen vom Vater an den Sohn weitergegeben werden, wurden dort neu verwurstet. Viele Witze, die wir heute alle kennen wurden dort erfunden. Robert Gernhardt lief zu einer beeindruckenden Frühform auf:

Zur Nachtzeit faßt der Kormoran

Zu gern die Kormoranin an.

Die dieses, wenn auch ungern, duldet,

Da sie ihm zwei Mark fünfzig schuldet.

Die „WimS“galt als Leitmedium, sogar der Papst nebst Gemahlin hatte einmal seinen Besuch angekündigt. Dies stellte sich allerdings als Scherz heraus, die eilig vollzogenen Nottaufenwaren umsonst.

In der Kolumne „WimS“-Intim lernten wir dann die Redaktionsmannschaft kennen. Redaktionsbote Dr. Golz, Leihbischof Klamm, Zeilenzähler Horst Borgel. Und natürlich Zirfeld. Von offizieller Seite und in Stellungnahmen der damals beteiligten Akteure wurde nie bestritten, dass er als Karikatur des Herausgeber der ‚Pardon‘ gezeichnet war. Die immer schwierigere Zusammenarbeit mit jenem führte schließlich am Ende zur Gründung der ‚Titanic‘.

Ich leihe mir den Namen aus, da ich mit der Lektüre der WimS und den Werken der Neuen Frankfurter Schule immer sehr viel Vergnügen hatte. Da ich nicht gedenke, dieses zu gewerblichen Zwecken zu tun, gehe ich davon aus, dass niemand etwas dagegen hat. Abgesehen davon, wird es sowieso niemand merken. Um F. K. Wächter zu zitieren, einen der WimS-Macher: „Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein“.

Ich empfehle hierzu:

Welt im Spiegel. WimS 1964 – 1976, Gesamtausgabe von F. W. Bernstein, Robert Gernhardt und F. K. Waechter. Erschienen bei Zweitausendeins (antiquarisch zu erhalten)

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Also doch

Posted in Alles drin by zirfeld on September 26, 2008

Ich war schon einige Male kurz davor, ein Blog auf zu machen. Dann dachte ich immer

– macht ja jetzt jeder,

– muss man sich ja drum kümmern,

– liest eh kein Schwein.

Jetzt also doch. Erst mal beschlossen, es nicht „Blog“ zu nennen. Mir wird mit der Zeit ein schönes, wohlklingendes Ersatzwort dafür einfallen.