Zirfeld

Du bist #marke# – bin ich nicht!

Posted in Alles drin by zirfeld on August 11, 2009

Ich arbeite als Sklave im Niedriglohnbereich. Auf eine kostenfreien Hotline helfe ich Kunden eines Komminikationskonzerns sich in die faszinierende Welt des Online-Seins einzuwählen, seine Netzwerkeinstellungen zu korrigieren oder freundlich/bestimmt zu versichern, dass es nicht genügt einen Wlan-Router zu besitzen, wenn der sieben Jahre alte Computer nicht für die drahtlose Kommunikation ausgerüstet ist. (Und „Nein, dass konnte der Verkäufer vorher nicht ahnen als Sie den Vertrag abgeschlossen haben“, „einen kostenfreien Techniker kann ich ihnen leider nicht schicken“ und „leider kein Kündigungsgrund, steht so auch nicht in den AGB“.) Allerdings bin ich nicht Arbeitnehmer der Nummer 2 in Deutschland für Festnetz- und Mobiltelefonie, sondern Knecht eines Dienstleisters Imauftragvon.

Doch heute früh blieb die Hotline kalt, wir wurden alle mit Bussen zur einer tollen „Location“ gekarrt. Von professionellen Massenbespassern wurde uns dort vermittelt, wie absolut klasse der neue Markenauftritt ist, wie sensationell die Kunden diese Firma finden und wie auch alles noch besser werden soll. Nachdem einer der Wortführer mich und meine Kollegen mehrfach als Nerds und Freaks („im technischen Sinne, haha“) beschimpft hatte, wollte er uns weißmachen, wie wären die Generation Upload, die sein Arbeitgeber als Zielgruppe für noch kommende Umsätze entdeckt hat. Obwohl manche tatsächlich hinundwieder beitragen, wollen wir uns aber nicht als Teil einer Gemeinschaft definieren lassen. Er gab dann auch wirklich erst Ruhe, als wir lautstark darauf bestanden zur Generation Download zu gehören – bevorzugt kostenlos, illegal und von Quellen zweifelhafter ausländischer Herkunft.

Das wichtigste jedoch: Weder bin ich eine Marke, noch identfiziere ich mich mit einer Marke. „Brands“ waren mir schon immer völlig egal. Vielleicht wollte ich als Kind unbedingt Lego haben, anstatt mit alternativen Stecksystemen zu arbeiten. Mag sein. Aber schon seit vielen Jahren beschäftigen mich beim Einkauf: Funktion, Geschmack, Preis, Herkunft oder ökologisch vertretbare Herstellung. Es ist mir sehr wichtig, dass klargestellt zu wissen.

Kommentar eines Kollegen: Und was ist mit dem SC Freiburg? Dies, liebe Leser, dies ist keine Marke, sondern eine Herzenssache. Sollte sich dies jemals ändern, bitte ich freundlichst, mich zu erschiessen.

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