Zirfeld

Die Trauer von Celine Dion

Posted in Alles drin by zirfeld on Juni 27, 2009

Der Online-Ableger des  seriöse Nachrichtenamgazins “Der Spiegel” widmet dem Tod des Michael J. verständlicherweise etwas mehr Raum, als der Unterhöhlung grundlegender demokratischer Prinzipien durch die Legislative.

Jahrhundertquitsche Celine Dion sagt, sie hätte sich gefühlt wie beim Tod von JFK. Ein schneller Blick bei Wikipedia teilt mir mit, dass Frl. Dion knappe 5 Jahre nach dem Attentat von Dallas auf die Welt kam.

Jetzt frage ich mich natürlich: Reist La Dion durch die Zeiten oder wurde sie beim Film von Oliver Stone von ihren Gefühlen übermannt?

Pfingsten

Posted in 1 by zirfeld on Mai 31, 2009

Ich warte heute jetzt schon eine ganze Weile, das der Hlg. Geist auf mich hernieder kommen möge.

Passiert aber nichts.

Habe mich jetzt dazu entschlossen, den unheiligen Geist anzurufen, und entkorke den guten Williams Christ von Schladerer den ich von Weihnachten noch rumstehen habe.

Ich bin dann mal weg. Wohlsein.

W…

Sparkassendirektor

Posted in 1 by zirfeld on Mai 28, 2009

Gelesen hier: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch.

Köhler bleibt Bundespräsident. Eine Überraschung?

Eine Überraschung wäre, gelänge es Köhler im zweiten Durchgang, irgendetwas zu tun, was gegen die Abschaffung seines Amts spricht. Es fällt schwer zu glauben, wir fielen standrechtlich einem Kaiser oder gar Diktator anheim, wenn vorne kein Sparkassendirektor mehr festlich im Kreis schwurbelt. Die Deutschen streichen lieber anderen das Asylrecht aus der Verfassung als sich einen überbezahlten Gelegenheitsrhetoriker.

Schöne Texte II

Posted in Schöne Texte by zirfeld on Mai 28, 2009

>>Schau uns an
die ganze Nacht
Heut Nacht
Die Stadt schläft
nur wir sind wach
Heut Nacht
Du stehst an der Tür,
deine Stimme Sandpapier,
warum bleibst du nicht hier,
Heut Nacht ?

Wir sind still
und reden nicht viel
Heut Nacht
Die lust ist los ,
die Liebe groß
Heut Nacht
Diese Nacht gehört dir,
doch du blickst zur Tür
warum bist du nicht hier ?
Küss mich bevor du gehst<<

Splff : >>Heut’ Nacht<<

Eigentlich selbstverständlich

Posted in 1 by zirfeld on Mai 8, 2009

Eigentlich selbstverständlich, aus diesem Munde für mich trotzdem überraschend:

Merckle: Ich habe mich über die Jahre immer öfter gefragt, wem er eigentlich was damit beweisen wollte, dass er immer noch eine Firma übernahm ohne erkennbares Ziel. Wenn ein Unternehmer und seine Unternehmen ihren Kern aus den Augen verlieren, die Identität, verlieren beide ihren Sinn.

SPIEGEL: So was klang für Ihren Vater sicher viel zu esoterisch.

Merckle: Wie sonst definiert sich eine Firma? Sie ist ein Kreislauf aus Entwicklung, Produktion und Verkauf eines Produkts. Firmenkonstruktionen und juristische Spitzfindigkeiten dürfen doch nicht die Inhalte überlagern. Für mich ist übrigens erstaunlich, wie viele Leute auch in Deutschland der Illusion anhängen: Wenn etwas groß ist, muss es auch gut sein. Eigentlich erschreckend, wie wenige das hinterfragen. Auch bei uns zu Hause wurde das einfach stillschweigend so gelebt.

Hier das ganze Interview mit Philipp Daniel Merckle, Sohn des Industriellen Adolf Merckle, der sich im Januar das Leben nahm (Spiegel Online).

Der Graf von Monte Christo

Posted in Längst ausgelesen by zirfeld on Mai 7, 2009

Relativ einfache Sache: Mann geschieht Unrecht – Mann schüttelt Folgen erlittenen Unrechts ab – Mann rächt sich bitterlich. Die Vergeltung eines Schicksals, ein Archetyp narrativer Erzählungen. Diese Geschichte wurde von Alexandre Dumas weder zum ersten noch zum letzten Mal erzählt. Als der „Graf“ erschien, arbeitete jenseits des weiten Wassers ein gewisser Herr Melville an einem Buch über Rache, über das hier in dieser Rubrik auch noch zu berichten sein wird. Das Motiv der Vergeltung zieht sich durch die Kulturgeschichte, seit Achilles seinen Streik beendete und wieder in den Krieg um Troja eingriff, um seinen Freund Patroklos zu rächen. Es ist daher nahe liegend für einen Autor wie Dumas, diesen Stoff als Leitmotiv für einen der stärksten Protagonisten der Literatur zu wählen.

Wir lernen Edmond Dantes kennen als aufstrebenden, aber langweiligen jungen Burschen, gesegnet mit allen Vorteilen, die das Bürgertum der ausgehenden napoleonischen Ära bieten kann: Toller Job mit exzellenten Karrierechancen und verständnisvollem Chef, bevorstehende Heirat mit hübscher jungen Dame, die über erstklassige Manieren verfügt. Dieses Glück ist sogar für den Leser zu viel, erst recht für die weiteren Figuren im Buch: Und so hat er Feinde aus den unterschiedlichsten Gründen, die solange intrigieren, bis Dantes für 14 Jahre im Kerker verschwindet. Und hier beginnt das Buch spannend zu werden.


„Der unglückliche junge Mann hörte jetzt auf, sich mit seinem Vornamen Edmond oder seinem Namen Dantes zu nennen. Er hieß Nummer 34. [..] Schließlich dachte er daran, seinem Leben ein Ende zu machen. Und einmal an diesem Punkt angelangt, fand er einigen Trost in dieser Vorstellung.“

Im Kerker noch dem Selbstmord nahe, nach dem sämtliche Hoffnungen auf Gerechtigkeit sich nicht erfüllt hatten, gelangt der nun beinahe namens- und wesenlose Gefangene zu neuem Lebenswillen: Er lebt wieder auf weil er im Knast einen Freund findet, durch dessen Tod er schließlich entkommt. Er wird reich und zusammen mit seinem Vermögen wächst das Verlangen nach Vergeltung, dem er sich ganz und gar hingibt. Als unbekannter Wohltäter belohnt er diejenigen, die ihm halfen, seinen Vater bis zu dessen Tod unterstützten. Aber dann: „lebt wohl, Güte, Menschenliebe, Dankbarkeit; lebt wohl, all ihr Gefühle, die ihr das Herz beglückt! Jetzt stehe mir der Rachegott bei, die Bösen zu strafen.“

Neun Jahre verschwindet er, lässt seine Pläne reifen, recherchiert und bereitet vor. Als die Statisten alle an ihren Plätzen sind und die Kulissen aufgebaut, schlägt er zu. Caderousse, Villefort, Danglars, Mondego. Alle müssen bezahlen und der Graf verschont keinen, zaubert die Geister aus der Vergangenheit seiner Feinde hervor. Es wird gestorben durch Säbel und Gift. Am hellichten Tage werden die dunkelsten Geheimnisse offenbart und in der tiefsten Nacht neue Schwüre besiegelt.

Der Protagonist kennt kein Halten, hat mehr und mehr Mühe zu unterscheiden, wer dem Untergang zu entgehen hat. Lang gehegte Pläne entwickelten sich wie berechnet und entgleiten dennoch seiner Hand. Und am Ende weiß selbst der Graf, dass er zu weit ging. Als seine ehemalige Verlobte Mercedes ihn anfleht im Duell das Leben Ihres Sohnes zu schonen, seufzt er: „Ich Tor […] dass ich mir an dem Tage, da ich beschloss, mich zu rächen, nicht das Herz aus der Brust gerissen habe!“

Dennoch fährt er fort, denn er hält sich für den Sendboten der Rache Gottes. Am Ende hat er ruiniert, wo es zu ruinieren galt, seine Feinde in den Wahnsinn getrieben, ist für den Mord an einem kleinen Jungen verantwortlich, hat die Ex-Verlobte verarmt ins Exil gejagt und deren Sohn zum Militär nach Afrika.


Über hundertfünfzig Jahre ist dieses Buch alt, das zuerst als Episoden-Roman in einer Zeitung erschien. Aber ich verstehe, warum die ersten Nachdrucke bereits erschienen, als die letzte Folge noch nicht gedruckt war. Obwohl ich weiß, dass diese Rache unmöglich gut ausgehen kann, gebe ich dem Grafen recht, will dass sein Plan gelingt. Ich gönne ihm jeden Sous seines Reichtums und das verdiente Ende der Verschwörer kommt nicht schnell und grausam genug. Dumas versteht es meisterlich seinen Lesern dann das Fehlerhafte, Unmoralische dieses Vorgehens zu zeigen und den Protagonisten zu bedauern, der am Ende des Buches vom Grafen wieder zu Dantes wird. Die Geschichte dieser Rache, dieser Verwandlung ist spannend, aufregend und überaus kurzweili, trotz der fast tausend Seiten. Überflüssig zu sagen: Keine Verfilmung (und schon gar nicht das kürzlich uraufgeführte Musical) kommen dem Lesevergnügen auch nur ansatzweise nahe. Die Figur ist sogar für den großen Depardieu zu groß.


Zwar gibt es einen versöhnlichen Schluss (wie anders für die Zeitungsleser Mitte des 19. Jhdts.), doch der Graf / Dantes weiß um seine Schuld: „Sagen Sie dem Engel der über ihr Leben wachen wird, dass er zuweilen für einen Mann beten soll, der, wie Satan, sich einen Augenblick Gott gleichgestellt hat […].“

„Der Graf von Monte Christo“

Alexandre Dumas, zuerst erschienen als Fortsetzungsroman zw. 1844 – 46

gelesen in dieser Ausgabe

Längst ausgelesen

Posted in Längst ausgelesen by zirfeld on Mai 7, 2009

Unlängst aufgefallen: Neue Bücher vorstellen ist Trend!

Ich habe mich daher entschieden in unregelmäßigen Abständen (unregelmäßig wie alles andere hier) alte Bücher vorzustellen.

Da ich die Angewohnheit habe, manche Werke immer wieder zu lesen, anstatt das Paperback auf Amazon feilzubieten, werde ich auf einige Bücher aufmerksam machen, die zu Unrecht der Aufmerksamkeit entgleiten, die sie verdienen. Und ich rede dabei nicht unbedingt von den rundum anerkannten Klassikern der Hochliteratur, obwohl ich mit einem beginnen will.

Den ersten dieser Schmöker kennt zwar jeder vom Hörensagen, aber mal Hand hoch: Wer von euch hat das Buch gelesen oder nur einer der zahlreichen Verfilmungen gesehen.

Sich einmal umdrehen

Posted in Alles drin by zirfeld on Mai 6, 2009

Vielen Dank an Stefan Niggemeier, der auf den Artikel von Susanne Gaschke aufmerksam gemacht hat, aber viel wichtiger noch auf die Replik von Tapio Liller.

Ich bin allerdings zuversichtlich, dass ‘wir’ (Netzidioten) aus dieser Diskussion als Sieger hervorgehen werden. Aus der Geschichte lernen: Industrialisierung, Mobilisierung, Funk und Fernsehen. Wir Menschen passen uns an, ob wir wollen oder nicht, und werden die neuen Möglichkeiten zu kommunizieren adaptieren.

Frau Gaschke ist natürlich davon überzeugt, dass der Widerstand lohnt (ich gehe mal nicht davon aus, dass sie die Meinung nur vertritt, um abgedruckt zu werden). Aber ich habe eine Gegenfrage:

Was ist eigentlich mit den ganzen Mönchen passiert, die mit tintengeschwärzten Fingern im Scriptorium saßen, als Herr Gensfleisch seine tolle Idee vorstellte? Hat sich da jemand den Griffel geschnappt und ein Pamphlet gegen diesen Schwachsinn verfasst, sich beschwert, dass nun jeder seine Ideen einfach so verbreiten könne, ob von der Obrigkeit gewollt oder nicht? Falls ja hat es die Zeiten nicht überlebt.

Frau Gaschke: Wer eh schon rückwärts blickt, sollte sich dabei auch wirklich mal umdrehen.

Erst die Schnauze aufreißen –

Posted in Alles drin by zirfeld on April 30, 2009

- und dann nix liefern.

Bedauerlicherweise hat mir das Leben in den letzten Monaten einige Überraschungen im Plot geliefert. Meine elektronischen Datenverarbeitungsmaschinen haben zwar zuverlässig funktioniert, aber sowohl Fleisch als auch Geist waren nicht willig.

Das Führen eines Blogs (Ersatzbegriff wird immer noch gesucht) erfordert von mir eine gewisse Konzentration, die ich eine ganze Zeit lang einfach nicht aufbringen konnte. Werde mir jetzt aber wieder Mühe geben, verprochen.

Liest ja aber sowieso keiner.

Daten speichern

Posted in Alles drin, Demokratie by zirfeld on Oktober 14, 2008

Ich habe bei Spreeblick einen Kommentar geschrieben zum Thema Vorratsdatenspeicherung. Anschließend habe ich mich darüber so aufgeregt, dass ich mich dazu entschlossen habe, den Kommentar hier noch einmal zu veröffentlichen.

Ich werde dies auch zum Anlass nehmen in der nächsten Zeiz eine kleine Serie darüber zu bringen, an was ich eigentlich glaube, von was ich überzeugt bin.

Liest ja eh wieder keiner.

>> Ich glaube, mit eurem themenaffinen Verständnis für die Vorratsdatenspeicherung und den damit verbunden Folgen vergesst ihr Eines: Den meisten Menschen ist das scheißegal.

Und es wird immer scheißegaler: Es wird nun eine Generation erzogen, der das Bedrohungsszenario als Hintergrund für mehr und mehr Einflußnahme des Staates in das Privatleben zur Normalität wird. Möglicherweise wird meine jetzt 5jährige Tochter irgendwann der Meinung sein, dass das aus Gründen der Sicherheit schon in Ordnung geht (woraufhin ich sie natürlich enterben würde, wenn es was zu erben gäbe).

Das ist ein schleichender Prozeß und auch nicht das erste mal, dass wir uns am Ende einfach damit abfinden. Vor 20 Jahren waren wir noch dagegen, dass der Staat weiß, wie wir alle wohnen. Nun werden mit diesesn sta(a)tistischen Daten Geschäfte gemacht, Agendas (2010) entworfen oder Vorstädte geplant.

Die Einstellung der Meisten ist auch bigott: Ich will keine Anrufe haben von Leuten, die mir etwas verkaufen wollen, nehme aber gerne an jedem Gewinnspiel teil, indem ich Postkärtchen in auf Bahnhöfen geparkte BMWs werfe. Ich will, dass mein Online-Banking sicher ist, kaufe aber bei Amazon mit Visa ein und surfe über WLAN.

Diese Beispiele haben nichts mit dem Recht des Staates zur Speicherung von Daten zu tun, zeigent aber, wie tief das Empören darüber wirklich sitzt.

Was die Leute wirklich wollen: Keine Anrufe mehr bekommen von Losverkäufern und Marktforschern. Wenn das aufhören würde, wären die meisten schon zufrieden.

Ich bin gegen die Vorratsdatenspeicherung, ich betrachte es als Angriff auf meine ureigensten Grundrechte und der moderne demokratische Staat ist dazu da, die Rechte zu schützen, nicht zu verletzen. Ich betrachte es als große Kerbe in das demokratische System. Und ich werde nichts dagegen tun können. <<

Dazu demnächst hier: “Demokratische Grundwerte I: An was ich glaube”

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